Made of Desires and Fears

Drew.Lab_One
Foto © Nika Kramer

Made of Desires and Fears, 2024

Acryl und Sprühfarbe

Foto © Nika Kramer

Die italienische Streetart-Künstlerin Drew.Lab_One lebt in Berlin und ist von Kalligrafie fasziniert. Daraus entwickelte sie ihren ganz eigenen Buchstabenstil, ihre eigene Form von „Calligraffiti“. Drew.Lab_Ones komplexe und dynamische Buchstabenstrukturen vereinen mehrere Traditionen: die der arabischen, italienischen und sumerischen Kalligrafie sowie die der kyrillischen und gotischen Schrift. Das kunstvoll handgeschriebene Wort erscheint in ihrer Arbeit als ein kalligrafisches Mantra.

„Worte erschaffen eine Realität.“

Drew.Lab_Ones hier gezeigtes Werk spielt mit der Mehrdeutigkeit des englischen Wortes „Letter“, das sowohl Brief, Schriftwechsel als auch Buchstabe meint. Die Collage aus Zitaten des italienischen Schriftstellers Italo Calvino entwickelte die Künstlerin aus unterschiedlichen Schriftarten verschiedener Epochen und Kulturen, die die architektonische und kulturelle Vielfalt Berlins symbolisieren. Für Drew.Lab_One sind Städte keine stabilen Gebilde, sondern ein Nachhall vieler Stimmen – die Summe der Sehnsüchte und Ängste ihrer Bewohnerinnen und Bewohner. In diesem Werk werden die Besuchenden als vorübergehende Reflexion durch die mit Spiegelfarbe geschriebenen Buchstaben Teil dieses Gefüges.

Auftragsarbeit

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Textquellen für das Werk 

“Bei seinem Eintreffen in jeder neuen Stadt findet der Reisende etwas von seiner Vergangenheit, das zu besitzen er nicht mehr gewußt hat: Die Fremdheit dessen, was du nicht mehr bist oder nicht mehr besitzt, erwartet dich auf der Schwelle fremder Orte, die du nicht besitzt.“ 

Italo Calvino, Die unsichtbaren Städte, München 1984.

“Städte wie Träume sind aus Wünschen und Ängsten gebaut, auch wenn der Faden ihrer Rede geheim ist, ihre Regeln absurd, ihre Perspektiven trügerisch sind und ein jedes Ding ein anderes verbirgt.“

Italo Calvino, Die unsichtbaren Städte, München 1984.

„Die Hölle der Lebenden ist nicht etwas, was sein wird; gibt es eine, so ist es die, die schon da ist, die Hölle, in der wir tagtäglich wohnen, die wir durch unser Zusammensein bilden. Zwei Arten gibt es, nicht darunter zu leiden. Die eine fällt vielen recht leicht: die Hölle akzeptieren und so sehr Teil davon werden, daß man sie nicht mehr erkennt. Die andere ist gewagt und erfordert dauernde Vorsicht und Aufmerksamkeit: suchen und zu erkennen wissen, wer und was inmitten der Hölle nicht Hölle ist, und ihm Bestand und Raum geben.“

Italo Calvino, Die unsichtbaren Städte, München 1984.

“Unser Leben gehört nicht uns allein. Wir sind verbunden mit anderen, Vergangenheit und Gegenwart, und durch jedes Verbrechen und jede Freundlichkeit gebären wir unsere Zukunft.“

David Mitchell, Cloud Atlas, 2004.